Wo heute Lücken bestehen – und wie digitale Sammel- und Rückverfolgbarkeitssysteme helfen können

Europa baut seine Kreislaufwirtschaft für Textilien gerade grundlegend um.

Neue Recyclingverfahren kommen auf den Markt. Gleichzeitig steigen die regulatorischen Anforderungen. Mit der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) wächst auch die Verantwortung der Hersteller für Produkte, die am Ende ihrer Nutzungsphase angekommen sind.

Aktuelle Branchenanalysen zeigen jedoch: Das eigentliche Problem liegt nicht nur beim Recycling.

Reuters nennt verlässliche Rohstoffströme sowie ausreichende Kapazitäten für Sammlung, Sortierung und Vorbehandlung als wichtige Voraussetzungen für den Ausbau des Textile-to-Textile-Recyclings.

Auch eine aktuelle Analyse von Boston Consulting Group und ReHubs kommt zu diesem Ergebnis. Europa braucht keinen Ausbau einzelner Technologien, sondern ein System, in dem Sammlung, Sortierung, Aufbereitung und Recycling zusammen funktionieren.

An einer dieser Schnittstellen setzt ELOOP an.

Key Facts: Europas textile Kreislaufwirtschaft

13,3 Mio. t

Post-Consumer-Textilabfälle in Europa im Jahr 2025

33 %

werden separat gesammelt

1,5 Mio. t

stehen als gesammelter und sortierter Materialstrom zur Verfügung

8,0 Mio. t

notwendige Sammlung
2035

* BCG/ReHubs-Basisszenario für rund 15 % T2T-Recycling bis 2035.

Alttextilien gibt es genug – verlässliche Materialströme nicht

Nach Angaben von BCG und ReHubs fielen 2025 in Europa rund 13,3 Millionen Tonnen Post-Consumer-Textilabfälle an.

Davon wurden etwa 33 Prozent separat gesammelt. Von diesen Mengen gelangten wiederum nur rund 36 Prozent in einen definierten, gesammelten und sortierten Materialstrom.

Unterm Strich bleiben damit rund 1,5 Millionen Tonnen, die als gesammelter und sortierter Materialstrom zur Verfügung stehen.

Das Problem ist also nicht, dass es zu wenig Alttextilien gibt.

Die größere Frage lautet: Wie werden aus diesen Mengen verlässliche, nachvollziehbare und nutzbare Materialströme für Wiederverwendung und Recycling?

Reuters bringt diesen Punkt klar auf den Punkt: Ohne verlässlichen Feedstock lässt sich Textile-to-Textile-Recycling nicht in größerem Maßstab aufbauen.

Wie groß die Aufgabe ist, zeigt das Basisszenario von BCG und ReHubs. Um bis 2035 einen T2T-Anteil von rund 15 Prozent zu erreichen, müssten jährlich etwa 8,0 Millionen Tonnen Textilien gesammelt, 5,1 Millionen Tonnen sortiert und rund 2,7 Millionen Tonnen Textile-to-Textile recycelt werden.

Dafür werden Investitionen von rund 8 bis 11 Milliarden Euro veranschlagt. Hinzu kommen jährliche Betriebskosten von etwa 5 bis 6,5 Milliarden Euro.

€ 8–11 Mrd.
zusätzliche Investitionen
€ 5–6,5 Mrd.
jährliche Betriebskosten

Europa steht damit nicht vor ein paar zusätzlichen Recyclingprojekten. Es geht um den Aufbau einer neuen industriellen Infrastruktur.

Zielbild 2035

BCG-ReHubs-Basisszenario für textile Sammlung, Sortierung und Textile-to-Textile-Recycling in Europa bis 2035

BCG/ReHubs-Basisszenario für Europa bis 2035

Deutschland zeigt, warum mehr Sammlung allein nicht reicht

Deutschland ist dafür ein gutes Beispiel.

BCG und ReHubs schätzen die separate Sammelquote für Post-Consumer-Textilien auf rund 65 Prozent. Damit liegt Deutschland deutlich über dem europäischen Durchschnitt von rund 33 Prozent.

Bei der Sortierung sieht es anders aus. Hier liegt die Quote laut Analyse bei nur rund 24 Prozent.

In einem Land, in dem bereits vergleichsweise viel gesammelt wird, bringt es wenig, nur die Sammelmenge weiter zu erhöhen. Wichtiger wird, was nach dem Einwurf passiert.

Was wurde gesammelt? Woher kommt es? Welche Informationen gibt es dazu? Welchem Materialstrom ist es zugeordnet? Und wo landet es anschließend?

Der Fokus verschiebt sich damit von der reinen Menge hin zur Qualität und Nachvollziehbarkeit des Materialstroms.

Vergleich der Sammel- und Sortierquoten für Post-Consumer-Textilien in Deutschland und Europa

Von der Sammlung zum digitalen Materialfluss

ELOOP ist keine Recyclingtechnologie. Das System ersetzt auch keine Sortier- oder Recyclingunternehmen.

Es setzt früher an.

Im Mittelpunkt steht der Übergang von Textilien und Schuhen aus Nutzung und Rückgabe in einen dokumentierbaren End-of-Life-Prozess.

Dafür verbindet ELOOP physische Sammelinfrastruktur, digitale Identifikation und Datenverarbeitung.

Der Einwurf wird zu einem dokumentierten Vorgang

In klassischen Sammelsystemen gehen beim Einwurf viele Informationen verloren.

Wann wurde etwas abgegeben? Wo wurde es erfasst? Welchem Behälter oder Sammelpunkt ist es zugeordnet? Zu welchem Batch gehört es? Welche Informationen lagen bei der Abgabe bereits vor?

Digitale Sammelprozesse können solche Angaben erfassen und mit dem Materialstrom verknüpfen.

Damit verändert sich auch die Rolle der Sammelstelle.

Sie ist nicht mehr nur der Ort, an dem Alttextilien abgegeben werden. Sie kann gleichzeitig der erste digitale Punkt im End-of-Life-Prozess sein.

Rückverfolgbarkeit entsteht nicht in einem einzigen Schritt

ELOOP kann nicht automatisch die tatsächliche Materialzusammensetzung jedes Kleidungsstücks bestimmen. Gerade bei älteren Textilien fehlen digitale Produktinformationen häufig vollständig.

Deshalb wird die Datenbasis entlang des weiteren Materialflusses schrittweise ergänzt. Angaben aus der Sammlung können später durch professionelle Sortierdaten und Verwertungsergebnisse erweitert oder korrigiert werden.

Werden diese Informationen wieder mit dem ursprünglichen Batch verknüpft, bleibt der Materialstrom auch über mehrere Prozessstufen hinweg nachvollziehbar.

Es geht nicht darum, beim Einwurf bereits alles über ein Textil zu wissen. Entscheidend ist, dass spätere und verlässlichere Daten an denselben Materialstrom angeschlossen werden können.

ELOOP Material- und Datenfluss

ELOOP Prozess zur digitalen Rückverfolgbarkeit von Textilien von der Sammlung bis zur Verwertung

Bessere Daten machen Materialströme besser planbar

Für Sortierer und Recycler zählt nicht nur die Gesamtmenge.

Sie müssen auch wissen:

  • Wo entstehen welche Mengen?
  • Wann erreichen Sammelstellen ihre Kapazitätsgrenzen?
  • Welche Produkt- oder Materialkategorien befinden sich in bestimmten Strömen?
  • Wohin wurden einzelne Batches weitergegeben?
  • Welche Ergebnisse entstanden bei Sortierung und Verwertung?

Digitale Sammel-, Füllstands- und Chargendaten können hier helfen.

Sie lösen das Feedstock-Problem nicht allein. Sie können aber dafür sorgen, dass aus anonymen Sammelmengen besser dokumentierte und besser planbare Materialströme werden.

EPR und DPP erhöhen den Druck auf die Dateninfrastruktur

Mit der erweiterten Herstellerverantwortung werden Hersteller künftig stärker für Sammlung, Sortierung, Wiederverwendung und Recycling ihrer Produkte verantwortlich.

Parallel soll der Digital Product Passport (DPP) Produkt-, Material- und Compliance-Daten strukturierter verfügbar machen.

Dadurch entsteht eine neue Aufgabe.

Es reicht nicht, nur den physischen Materialstrom zu organisieren. Auch die Daten müssen vom Produkt über die Rückgabe bis in den End-of-Life-Prozess mitgeführt werden können.

Genau an dieser Schnittstelle besteht heute noch eine Lücke.

Infobox
EPR
erweitert die Verantwortung von Herstellern auf Sammlung, Sortierung, Wiederverwendung und Recycling.
DPP
schafft künftig eine strukturierte digitale Grundlage für Produkt-, Material- und Compliance-Daten.
Die offene Frage
Wie bleiben diese Informationen beim Übergang in den End-of-Life-Prozess erhalten?

Welche Herausforderungen bleiben für ELOOP?

Digitale Sammlung allein schafft noch keine funktionierende Kreislaufwirtschaft. Für ELOOP bleiben mehrere praktische Herausforderungen.

1. Viele Textilien haben heute noch keine digitale Identität

DPP, RFID und andere digitale Identifikationssysteme werden sich erst nach und nach verbreiten. Ein großer Teil der Kleidung, die heute im Umlauf ist, besitzt solche Informationen nicht.

ELOOP muss deshalb mit beiden Welten umgehen können: mit bestehenden Textilien ohne digitale Identität und mit künftigen Produkten, die bereits digital gekennzeichnet sind.

Ansatz
Kurzfristig können QR-basierte Sammel- und Batch-Identitäten diese Lücke überbrücken. Später lassen sich vorhandene Produktidentitäten in denselben Prozess integrieren.
Eine digitale Kreislaufinfrastruktur darf nicht erst dann funktionieren, wenn jedes Kleidungsstück einen Digital Product Passport besitzt.

2. Gesammelte Daten ersetzen keine professionelle Prüfung

Mit jeder weiteren Stufe in Richtung Sortierung und Recycling steigen die Anforderungen an die Datenqualität. Deshalb sollten Informationen nicht nur bei der Abgabe erfasst werden.

Ein sinnvoller Ablauf kann so aussehen:

Consumer / Collection Data → Sorting Data → Recycling Outcome

Ansatz
Informationen werden entlang des Materialstroms ergänzt, korrigiert und präzisiert.

3. Europas EPR-Systeme bleiben unterschiedlich

Reuters weist auf die Risiken fragmentierter nationaler Systeme hin.

Für eine europäisch einsetzbare Plattform bedeutet das, dass Prozesse, Rollen und Reporting-Anforderungen flexibel bleiben müssen.

Eine eigene technische Lösung für jedes Land wäre auf Dauer kaum sinnvoll.

Ansatz
Eine gemeinsame technische Basis, auf der unterschiedliche nationale Anforderungen und Prozesse konfiguriert werden können.

4. Digitale Infrastruktur braucht reale Partner

ELOOP sortiert keine Textilien und recycelt keine Fasern.

Was mit dem Material am Ende tatsächlich passiert, hängt weiterhin von Logistik, Sortierkapazitäten, Recyclingverfahren, Marktpreisen und Abnehmern ab.

Collection, Sorting, Pre-Processing und Recycling müssen gemeinsam wachsen. Wenn nur ein Teil ausgebaut wird, bleibt der gesamte Materialstrom begrenzt.

Ansatz
ELOOP ist nicht als geschlossenes System gedacht. Die Plattform soll mit Kommunen, Unternehmen, Logistikpartnern, Sortierbetrieben, Recyclern sowie künftigen EPR- und PRO-Strukturen zusammenarbeiten können.

ELOOP muss nicht jeden Prozess selbst übernehmen

Die europäische Textilkreislaufwirtschaft wird nicht durch eine einzelne Technologie entstehen.

Sie braucht unterschiedliche Akteure, bestehende und neue Infrastruktur, funktionierende Recyclingkapazitäten, klare Regeln und verlässliche Daten.

ELOOP sieht seine Rolle genau in diesem Zusammenspiel.

ELOOP ist kein Recycler und kein Ersatz für professionelle Sortierung. Das System setzt an einer Stelle an, die heute noch kaum digitalisiert ist: beim Übergang vom Nutzer oder Produkt in einen dokumentierbaren Materialstrom.

Wenn Sammlung, Identifikation, Übergabe und spätere Prozessdaten sauber miteinander verknüpft werden, lassen sich Materialströme besser nachvollziehen und langfristig besser planen.

Für den Ausbau einer europäischen Textile-to-Textile-Infrastruktur wird genau das immer wichtiger.

Am Ende müssen vier einfache Fragen beantwortet werden:

Was wurde gesammelt?

Wo wurde es gesammelt?

Wohin wurde es weitergegeben?

Was ist daraus geworden?

 


Quellen

Reuters
Europe stitches together plan to close the loop in the fashion industry
24. August 2026
[Link zur Reuters-Analyse]

Boston Consulting Group / ReHubs
Advancing Textile Circularity – Europe’s Textile Waste Surge: The Case for System-Level Scale-Up
2026
[Link zur vollständigen Studie]